unser buch des monats

In dieser Rubrik möchten wir Bücher vorstellen, die entweder ganz „frisch“,

ein wenig ungewöhnlich oder ausgesprochene „Lieblingsstücke“ unserer Dozent:innen sind.

Ayeda Alavie

Meine Heimat, Katze.

Eine Geschichte vom Krieg.

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Empfehlung: Barbara von Wysocki

Vor mir liegt ein zauberhaftes Buch, ein Kinderbuch! Auf den ersten Blick zumindest. Mit farbkräftigen Illustrationen, von Seite zu Seite auf das Wesentliche des Geschehens konzentriert, gemalt,

wie Kinder malen, in einfachen Formen und ungemischten Farben; dazu anmutige  ungegenständliche Skizzen, in zarten Tönen getupft, hineingeworfene Blütenblätter, Collagen.

Dies ist eine besondere Begabung der Schriftstellerin Ayeda Alavie: ihre Werke stimmig und atmosphärisch genau zu illustrieren.

„Meine Heimat, Katze“ ist der Titel ihres jüngst erschienenen Buches. Es hat den Nebentitel:

„Eine Geschichte vom Krieg“.  Ayeda Alavie  - wir haben bereits ihr Buch „Ein Bild von mir. Kurzgeschichten“ in einem Podcast besprochen – hat ihre Jugend vor und nach der islamischen Revolution von 1979 und während des  1980 beginnenden und sechs  lange Jahre dauernden Krieges zwischen Iran und Irak in ihrem Heimatland Iran verlebt. Sie ist von dort vor mehreren Jahrzehnten geflohen und lebt seitdem in Deutschland. Sie schreibt in deutscher Sprache und in ihrer Muttersprache Bücher für Kinder und Erwachsene.

Ayeda Alavies Geschichte ist die des Krieges, als sie noch ein Kind war, des Krieges zwischen Irak und Iran. Sie lässt uns in ihrem Buch unmittelbar hineinfallen in diesen Krieg, schildert uns in präziser und anschaulicher Sprache, ergänzt durch die Illustrationen, ihre Beobachtungen der  Veränderung  des Lebens,  der Menschen und der Städte, zeigt uns das Leben im Bunker, die Umwandlung der Schule in eine islamische Lehranstalt und die Versuche, trotzdem so etwas wie Vertrautheit mit diesem verwandelten Dasein zu gewinnen. Eine Katze und ein Hund, zwei aufgenommene Straßentiere,  gehören dazu. Die geliebte Großmutter an der Seite des kleinen Mädchens tröstet mit Geduld und mit ihrer Lebensweisheit – und erklärt die Realität: „Der Krieg ist  wie eine schwere Krankheit.

Nur der Frieden kann sie heilen“.

Wir wissen, dass es auch heute noch nicht soweit ist, wir sehen und hören es jeden Tag. Ayeda Alavie: „Was mir aus der Kriegszeit übrig blieb, waren:  Ein Hund, eine Katze, die Worte meiner Großmutter und viel Trauer“.

So bleibt für Ayeda Alavie, das kleine Mädchen in diesem Buch, nur der Weg,  ein Märchen zu schreiben, ein Märchen von der Freundschaft zwischen Hund und Katze und zwischen den Menschen und den Bäumen, die nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden.

Ist dieses Buch von Ayeda Alavie ein Kinderbuch? Ja, aber das schauende, hörende, lesende Kind bedarf der Unterstützung eines Begleiters auf dieser Reise in die Welt des Krieges,  eines Vermittlers, der die mit Sicherheit gestellten Fragen des Kindes zum Sinn des Krieges und zum Leben im Krieg beantwortet. Die Gestaltung dieses sehr persönlichen Buches von Ayeda Alavie, die Illustrationen, die Satzkürze des Textes und der Ausdrucksstil kommen der Neigung und dem Bedürfnis  des Kindes entgegen; das Einfügen der Problematik dieses Themas in die kindliche Vorstellungswelt sollte jedoch sehr behutsam ergänzend geschehen. Dann wird dieses Buch nicht nur eine ästhetische Freude, sondern im guten Sinne „lehrreich“, nachdenkenswert und weiterführend sein.

Hagebutte Verlag München, 2022

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