Männer ohne Möbel

Autor: Alexandra Stahl
Verlag: Jung und Jung

Von: Antonia (Team LiteraturInitiative)

„Wenn ich es mir recht überlege, bin ich schon mein ganzes Leben unzufrieden. Und jetzt warte ich auch noch seit einer Stunde auf den schlechtesten Hausarzt von Neukölln. Das jedenfalls steht auf der Wand neben dem Schreibtisch (…). Er hat die Bewertungen aufgehängt, die seine Patienten über ihn ins Internet gestellt haben.“ – Allein der Anfang des Romans „Männer ohne Möbel“ von Alexandra Stahl, ist eine Bombe! Wie kommt jemand auf die grandiose Idee in einer Arztpraxis alle negativen Rezensionen aufzuhängen, die dann auch tatsächlich zutreffen? Einfach fantastisch!!

Wenn ihr das Abhängen in schäbigen Kneipen, schlechte Dates, zufällige Situationen, gute Romane und Witze genauso vermisst wie ich, ist das Buch genau das Richtige für euch!

In diesem kleinen, wunderschönen Buch begleiten wir Elli durch die Frustrationen ihres Berliner Hipsterlebens. Ellie verbringt ihre Tage in Cafés, bei Ärzten und in Kneipen. In kurzen Kapiteln mit knackigen Überschriften geht es in diesem Roman um Männer, die denken: “Ach, nehm ich nur meinen Penis mit, das reicht” und “sup?” schreiben doch eigentlich meinen “ich hab Bock” und dann einfach verschwinden.
Elli versucht mit den Männern klarzukommen, sehnt sich nach der einen großen Liebe und wünscht sich, von einer Person vermisst zu werden. In kurzen Szenen rekapituliert die Autorin ihre Begegnungen und beweist dabei Witz, Dialogfestigkeit und eine sensible Beobachtungsgabe. Der Roman spiegelt das heutige Berlin, wobei oft auf die englische Sprache zurückgegriffen wird. Ich habe die Mischung aus kurzen englisch Sätzen und deutschen Sätzen sehr genossen! In dem Schreibkurs "Mein Happy End bin ich!" lernt, Elli ihr Leben als Roman zu betrachten. Allgemein ist Ellli unzufrieden mit ihrem Leben, dass sich anfühlt wie ein abgestandenes Glas Bier. Sie beantwortet die Frage „Welchen Sinn hat das Leben?“ mit „Garkeinen.“
Insgesamt geht um das Erwachsenwerden, um die Frage nach dem gelingenden Leben, um die eine große Liebe und auch um Freund*innenschaft.

Schnell habe ich dieses kleine Buch durchgelesen. Ich bin von einer Szene zur nächsten gesprungen. Von einem lustigen Satz, einer Feststellung, einer Situation einem Gespräch zum nächsten.

Grandios beschreibt Stahl die Männer und ihrer Eigenarten. Ich konnte mitfühlen, konnte die Gedankengänge verstehen und den abstrusen Gesprächen folgen. Beim Lesen musste ich oft Sätze wieder und wieder lesen, weil sie mir so gefallen haben. An vielen Stellen musste ich über diese kleinen Sätze schmunzeln, die so präzise und auf den Punkt gebracht sind.
„Ich klappte das Internet zu“, ist einer solcher Sätze. Am liebsten würde ich alles aus diesem Buch zitieren und euch zeigen. Sie spielt mit verschiedenen Sprachen, vergleicht Sprichwörter aus verschiedenen Ländern, macht Wortwitze, die mich lachend im Bett liegen lassen haben, bis mir die Tränen kamen. Lange habe ich nicht mehr ein Buch gelesen, bei dem ich so lachen musste. Und nicht nur das, dass auch das Cover finde ich wunderschön. Ich glaub, ich habe ein neues Lieblingsbuch und hoffe, euch wird es genauso gut gefallen wir mir!

ISBN 978-3-99027-242-8, 2021, 20 Euro, 192 Seiten.