Jacob träumt nicht mehr

Autor: Clemens Bruno Gatzmaga
Verlag: Karl Rauch

Von: Antonia (Team LiteraturInitiative)

„Wo befand sich der Knopf, auf dem man drücken musste, um etwas zu fühlen?“ Und wann hört man eigentlich auf zu träumen? – Das fragt sich der Protagonist aus dem neuen Roman „Jacob träumt nicht mehr“ von Clemens Bruno Gatzmaga. Jacob hat sein Leben vollkommen der Arbeit verschrieben. Eigentlich hat er aufgehört zu leben – Ja, er hat aufgehört zu träumen.

Wenn ihr ein schnelles und kurzes Buch für zwischendurch sucht, ist dieser Roman genau das richtige für euch. Es ist perfekt für einen gemütlichen Tag zum Abschalten und um in eine greifbare, realistische, aber auch skurrile – ja, um in eine wundersame Welt der Sinnsuche einzutauchen.

In diesem Roman geht es um Jacob, der sein Leben der digitalen Arbeitswelt mit einer 70-Stunden-Woche und gutem Gehalt widmet. Jacob gehört der Generation an, deren Arbeit durch Digitalisierung und ständige Verfügbarkeit geprägt ist.
Für Jacob steht ein wichtiger Pitch an. Er hat mit seinem Team eine androgyne Robotergestalt entwickelt und ihr den Namen Kay gegeben. Kay soll einer Großbank als digitaler Berater für Kunden dienen. Der Agentur könnte der Auftrag einen hohen Betrag einbringen, mit einem guten Bonus für Jacob.
Blöderweise bekommt Jacob eine Grippe und unmittelbar vor dem Pitch bekommt er einen Hustenanfall, geht hinaus, findet nicht in den Beratungsraum zurück und gelangt in einen Birkenwald mit Hirschkäfern und Megalithen. Was ist hier Realität und was Traum?
Nach dem wichtigen Pitch bricht er zusammen und landet im Krankenhaus. Burn-out ist die Diagnose. Doch auch das will er sich nicht eingestehen und arbeitet fleißig weiter. Lustlos und müde lebt er in die Tage hinein, bis er schließlich merkt, dass er etwas ändern muss.
Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens besucht er seine Oma und macht dort einen Ausflug in den nah gelegenen Wald. Ein Gewitter bricht herein, dass er als Abenteuer empfindet und schließlich bleibt er im Moor des Waldes stecken. Dort passiert dann so einiges in Jacobs Kopf…

Irgendwie ist das Buch unaufregend, aber doch auch wunderschön. Große Lust hatte ich nicht von einem stressigen Lebensalltag, Digitalisierung und Burn-out zu lesen, aber ich habe es doch getan und war überrascht, wie schnell ich dieses kleine Buch dann doch verschlungen habe. Wunderbar fand ich die surrealen Episoden, die doch sehr nachvollziehbar waren! Ganz toll fand ich auch, wie Jacob mit acht Jahren in Träumen bewusst Handeln konnte. Er konnte Regenschauer aus Wolken schütteln und mit außerirdischen Mädchen in Fantasiesprache reden. Lest es schnell selbst und begebt euch mit Jacob auf die Suche nach seinen verlorenen Träumen…

ISBN 978-3-7920-0265-0, 2021, 20 Euro, 176 Seiten.