Das bist du

Autor: Ulrich Peltzer
Verlag: S. Fischer

Von: Antonia (Team LiteraturInitiative)

„In der Morgendämmerung nach Hause laufen, selbst weite Wege. Als müsste ich mich von der nächtlichen Energie befreien, von den Bilderfluten, die durch meinen Kopf rauschten. Refrains, Satzfetzen.“ – dieser Satz aus Peltzers neuen Roman spiegelt die Zeit der 80er-Jahre in West-Berlin wider und damit die Atmosphäre des gesamten Buches. Auch hier schreibt Peltzer, wie wir ihn kennen, in einer hochkomplexen literarischen Sprache.

Peltzer nimmt uns mit auf eine Reise durch die 80er-Jahre Berlins. Wir finden uns in kalten Wohnungen, Kneipen, Clubs und Kinos wieder. Autobiografisches und Fiktionales wird im Text kombiniert. Der Ich-Erzähler treibt so vor sich hin. Er studiert, diskutiert, philosophiert über Kunst und das Leben. Nachts geht er feiern. Drogen und Alkohol scheinen das normalste auf der Welt zu sein. Bücher, Songtexte, Filme, Platten und die Liebe sind von zentraler Bedeutung. Fantastisch bringt er rüber, wie toll er Literatur, Kinos und Musik findet. Er springt von einer Erinnerung zur nächsten, springt in den Zeiten, zitiert, reißt Szenen an, flutet die Seiten mit Beobachtungen, sodass wir seinem aufmerksamen Blick folgen können. Fragmentarisch werden einzelne Szenen aneinandergereiht. Diese geradezu filmische Erzählweise zeichnet das Buch aus und spiegelt das Gefühl der Zeit wider.
Eine tiefe Liebe, die Liebe auf den ersten Blick, verbindet die einzelnen Szenen und bildet die Rahmengeschichte des Romans. Die Liebe zu Leonore. Mit den Worten: „Vor Leonore, nach Leonore“, die sich oft wiederholen, wird die Erzählung eingeteilt. Die Spannung wird dadurch aufrechterhalten, sodass die Lesenden sich fragen, was zwischen den beiden passiert ist.

Dieser Autor kann wahrhaftig schreiben! Leider fehlten mir beim Lesen die Zusammenhänge der einzelnen Szenen.

Man muss sich immer wieder neu in eine Szene reinfinden, versteht nicht immer, wie oder wo man gerade ist sodass ich nicht wirklich in den Lesefluss gekommen bin. Die einzige Konstante, an der ich mich entlanghangeln konnte, war die Liebe zu Leonore, die der Geschichte eine scheinbare Struktur vermittelt.
Dennoch kann ich dieses hoch literarische Buch nur empfehlen. Peltzer spielt geradezu mit den Sätzen, würfelt Wörter und setzt sie auf grandiose Art und Weise zu einem wundervollen Satz zusammen. Vielleicht findet man ja bei einem zweiten Lesedurchgang einen besseren Zugang zu diesem fragmentarisch hoch literarischen Abenteuer.

ISBN: 978-3-10-002466-4, 2021, 22 Euro, 288 Seiten.