Alice Littlebird

Autor: Grit Poppe
Verlag: Peter Hammer

Von: Felicia, 9. Klasse

Der elfjährige Terry und die neunjährige Alice gehören dem Stamm der Cree an. Gegen ihren Willen werden die Geschwister nacheinander von ihrer Familie, die in einem Reservat lebt, getrennt und in einer katholischen Internatsschule untergebracht. Dort werden sie gezwungen, ihren Namen, ihre Sprache und Kultur aufzugeben und müssen teils unzumutbare körperliche Arbeit leisten, bei der die Verletzungsgefahr hoch ist. Die betreuenden Nonnen verhalten sich den Internatsschülern_innen gegenüber grausam, sowie gewalttätig und quälen sie psychisch.
Nachdem sich die Geschwister zwei Jahre nicht gesehen haben, kommt es zu einem kurzen Treffen, bei dem sie beschließen, gemeinsam aus dem Internat zu fliehen. Obwohl die Flucht auf eine nahegelegene Insel gelingt, verlieren sich die Geschwister kurz darauf. Terry wird in das Internat zurückgebracht, wo sich für ihn das Leben nochmal dramatisch verschlimmert. Alice hingegen ist nun auf der Insel ganz allein auf sich gestellt und muss zum Teil lebensgefährliche Situationen meistern. Werden sich die Geschwister je wiedersehen?

Das Buch hat mich sehr berührt, da es sich zwar um eine fiktive Geschichte handelt, die geschilderten Gegebenheiten in den Residential Schools in Kanada allerdings der Realität entsprachen. Obwohl es sich nicht um ein klassisches Jugendthema handelt, hat mich das Buch aufgrund der anschaulichen Schilderungen beim Lesen gefesselt. Verstärkt hat sich dieser Eindruck durch den Aufbau der Geschichte, da die Autorin nach der Trennung der Geschwister die Erlebnisse der beiden Protagonisten abwechselnd schildert. Dies hat zur Folge, dass sich dem Leser eine Mischung aus schockierenden, tragischen Szenen aus dem „Internatsgefängnis“ und spannenden, teils lebensbedrohlichen Momenten vom Leben auf der Insel darbietet. Außerdem sind die Kapitel so aufgebaut, dass sie jeweils mit einem Höhepunkt abschließen, der meist eine besonders tragische oder spannende Stelle beschreibt. So fällt es dem Leser besonders schwer das Buch für einen Moment aus der Hand zu legen und animiert zum Weiterlesen. Mir gefällt auch sehr gut, dass zu keinem Zeitpunkt während des Handlungsverlaufes das Ende vorhersehbar wird.

Ebenfalls beeindruckt hat mich, wie es der Autorin gelingt, die Stärke der Kinder herauszuarbeiten, die sich ohne erwachsende Bezugspersonenallein immer wieder extrem herausfordernden Situationen stellen müssen.
Einen kleinen Kritikpunkt stellt für mich das Ende dar, da es meiner Meinung nach nicht ganz mit dem Anfang und dem Hauptteil der Geschichte mithalten kann und ein paar Fragen offen lässt.

Obwohl es sich bei den Hauptfiguren Terry und Alice noch um Kinder handelt, würde ich das Buch dennoch eher für Jugendliche ab 13 Jahren empfehlen, weil einige Schilderungen recht brutal und verstörend wirken können.

Schüler-Praktikantin der LiteraturInitiative

ISBN: 978-3-7795-0632-4, 2020, 15 Euro, 240 Seiten.